Auf
Entwicklungsstadt ist ein städtbaulicher Entwurf für das Gelände von Stefan Forster welcher zuletzt auch im
Baunetz publiziert wurde. Da im Artikel jedoch nicht auf den Entwurf eingegangen wird und nicht klar ist ob er repräsentativ ist oder woher die Graphik eigentlich stammt, habe ich ihn mal nicht eingefügt (um Spam zu vermeiden).
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Zuallererst: Der Anhalter Bahnhof befand sich in Westberlin und wurde durch Westberliner Regierung gesprengt, nicht durch die DDR. Große Proteste dagegen gab es trotzdem aus der Bevölkerung. Bitte nicht die Sachen vermischen, wenn man in Rage etwas zynisch wird.
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Wenn man wirklich Blub und SEZ vergleichen will:
Das Blub war ein Schwimmbad und wurde aufgrund der schlechten Hygiene durch das Gesundheitsamt geschlossen. Es hatte bei der Eröffnung jährlich 600.00 Besucher, 2001 waren es nur noch 300.000. Mit Außenanlagen
und Parkplätzen hatte es eine Fläche von 35.000 m2.
Das SEZ war ein Freizeitort mit
- Schwimm- und Spaßbad, Eis- bzw. Rollschuhlaufbahn, Sporthallen, Fitnessstudios, Bowlinganlage mit 16 Bahnen, Tischtennishalle, Gymnastik- und Ballettsäle, mehrere multifunktionale Veranstaltungsräume inklusive Bühnen-, Licht- und Tontechnik, eine Kampfsportschule, großflächigen Billard- und Openair-Sportanlagen, einem Schachtreff, Kindersportanlage, Friseursalon, eine sportmedizinische Praxis und 10 unterschiedliche Restaurants
und wurde geschlossen, da es ohne Subventioniereung dem Senat zu teuer war und anschließend vom Investor nicht wie vereinbart wiedereröffnet wurde. (-> man könnte fast schon sagen... Spekulation...) In den ersten 5 Jahren hatte es 16 Mio Besucher (also jährlich 3 Mio. Besucher) auf einer Fläche von 80.000 m2 und einer bebauten Grundfläche von 35.000 m2. Die Dimensionen, Besucherströme und lokale Bedeutung waren hier rum einiges größer. Das Pergamonmuseum hat aktuell jährlich 2 Millionen.
Daher ist die Sache doch ganz klar: das SEZ war als Vergügnungsort eine Errungenschaft für die Bürger Ost-Berlins, welcher nur zugrunde gegangen ist, da sich die wiedervereinigte Stadt diesen Ort nicht mehr leisten/subventionieren wollte. Daher ist es nun mal großer Verlust gesamtstädtisch. Wo gibt es denn bitte innerstädtisch solche Orte überhaupt noch, wo man als einfacher Mensch Ähnliches erleben kann? Wenn all diese Orte nun verschwunden sind, was kann ich denn dann noch alles so in Berlin erleben, wenn ich kein Tourist bin? Durch schlechte Fußgängerzonen laufen und zu Aldi und Primark gehen? Manchmal frage ich mich wie es andere postsozialistische Länder schaffen, ihre Großbauten für die Bevölkerung weiter betreiben zu können, aber bei uns alles in einem ideologischen Kampf endet, anstatt die Errungenschaft eines weltweit einzigatig großen Komplexes anzuerkennen.
Ich persönlich finde es schade, da es ein architektonischer Verlust. Ob es einem gefällt oder nicht, ist dabei egal; der Verlust besteht darin, dass heutzutage ja solche Orte gar nicht mehr entstehen und schon gar nicht in diesem großstrukturellen, großräumlichen Hightech-Strukturalismus. Ob das SEZ vielleicht städtbaulich an ein Ende gekommen ist, ist eine andere Frage, bei der ich vielleicht auch zustimmen würde.
Der Trick ist doch der: die Generation die das SEZ und Blub noch kannten und besuchten, vermissen diese Orte. Wenn man bereits eine Generation weiter schaut, die die Möglichkeiten dieser Orte nicht mehr erlebt und kennt durch eine jahrelange Schließung, werden sie auch nicht mehr den Anspruch an eine Wiedereröffnung stellen. Was man nicht kennt, kann man ja auch nicht vermissen.
Keiner hier würde sagen man solle doch auch die vielen architektonisch wichtigen und spannenden Gemeinschaftszentren in beispielsweise
Brasilien schließen, wie das SESC in São Paulo von denen es in allen Städten massenweise gibt und auch komplett vom Staat für die Bevölkerung finanziert werden. Es ist eine Schande, dass diese Orte bei uns plattgemacht werden und anderswo trotz Kapitalismus genauso funktionieren und für die Gesellschaft eine große Bereicherung sind.
Deutschland ist ein so extrem wohlhabendes Land, was links und rechts Steuern verschwendet, was durch Bevölkerung blind abgenickt wird (oder mal in der Heute-Show 5 Min im Sendeprogramm Platz zum ''Lachen'' findet), aber gleichzeitig werden um die Orte, die für die eigentlichen einfachen Leute da sind, Diskussionen geführt wer das bezahlen soll.
Wer in dem Abriss also einen politischen Revanchismus sieht und sich darüber freut, anstatt über den Verlust des Ortes (wenn schon nicht der Architektur) zu trauern der so nie wieder kommen wird, sollte doch mal wieder verreisen und sehen was alles so in der Welt gemacht wird, um das Leben der örtlichen Bevölkerung schön zu machen. Und wer es sich aus wirtschaftlichen Gründen leider nicht leisten kann zu verreisen, sollte doch erst recht doppelt so traurig und wütend sein, dass einem diese niederschwelligen und günstigen Orte genommen werden.