Kaiserdammer

Aufsteiger
So sehr ich für Wohnungsbau plädieren würde, dieses Gebiet garantiert die Frischluftzufuhr vom Grunewald für das Herz der City West.
Ein Park, der hier die Kieze am Halensee und Lietzensee verbindet, müsste aber natürlich eine andauernde Pflege erfahren.
ich frage mich ob das in Berlin beim derzeitigen Stand möglich wäre. „Stichwort“ mangelndes Personal für der Pflege der Berliner Grünflächen.
 

lfniederer

Bekanntes Mitglied
In ganz Berlin leben Hunderttausende neben Bahntrassen. Wer beispielsweise neben der Stadtbahntrasse zwischen Charlottenburg und Ostkreuz wohnt ist auch viel Bahnlärm ausgesetzt. Es wird ja niemand gezwungen dort, in die neuen Bauten am Westkreuz zu ziehen.
 

BerlinerBauleiter

Platin Mitglied
Dort hat man in der Regel aber eine ruhige Rückseite und nicht vorne und hinten Autobahn oder Bahntrassen, sodass das Schlafzimmer auf beiden Seiten ungünstig liegt.
Ich bin da auch offen, denke aber, dass Wohnraum sicher an vielen anderen Stellen viel eher errichtet werden könnte.
 

Jonas96

Bekanntes Mitglied
Ich finde es auch absolut nicht tragisch wenn dort nichts gebaut wird.
Das Problem mit dem Lärm und das Argument mit der Frischluftschneise sollte man nicht vernachlässigen.
 

Oranien

Aufsteiger
Ich halte keines dieser Argumente in der Gesamtbilanz auch nur für halbwegs stichhaltig:

- Das Baugebiet läge direkt neben einem Nachverkehrskreuz. Gerade diese Gebiete müssen bevorzugt verdichtet werden. Sowohl weil Berlin vollkommen unfähig ist, Nahverkehr voranzutreiben und deswegen vorhandene Strukturen besser genutzt werden müssen - sondern auch weil es sowohl finanziell auch als ökologisch (Zement -> CO2-Schweinerei) extrem belastend ist, neue Gebiete mit Nachverkehr zu erschliessen - statt vorhandene besser auszulasten.

- Es gibt viele Lösungen den Bahnlärm auf einem Level zu halten, das sich mit Wohnbebauung verträgt. Nicht umsonst führt der Bezirk dieses Argument auch nicht ins Feld. Zu behaupten, dass deswegen eine Bebauung nicht ginge, ist rundheraus falsch.

- Die Behauptung, dort sei eine "Frischluftschneise" zwingend, ist nicht erwiesen und meiner Einschätzung nach auch nicht nachweisbar. Der Gegend - und Berlin insgesamt - mangelt es nicht an Grünanteil - sondern im Gegenteil an urbaner Verdichtung. Wenn man sich die Mühe machen würde, Berliner Parameter mit vergleichbaren Großstädten in Europa ins Verhältnis zu setzen, würde das überdeutlich.

Dabei geht es nicht einmal primär um den Verlust an Urbanität, der meistens mit damit verbunden ist - sondern um ökologische Aspekte. Die Alternative zur Verdichtung (zB innerhalb des S-Bahnrings) ist
1) Höhenwachstum (wollen die Berliner nicht),
2) Auflösung von Reserveflächen wie Tempelhofer Feld oder Schrebergärten (wollen die Berliner nicht),
3) Erhöhung der Mieten (wollen die Berliner nicht),
4) Verbot der Baus von Einfamilienhäusern (wollen die Berliner nicht)
5) Verbot von Zuzug (würden viele Berliner gerne haben, kriegen sie aber nicht)
oder eben Flächenwachstum in Brandenburg. Letzteres ist ökologisch die mit grossem Abstand schlechteste Alternative - mit Sicherheit um vielfaches schlechter als das Nutzen von unbewiesenen Frischluftschneisen in der Nähe von bestehender Infrastruktur.

Meiner Erachtens ist sind einige der Diskussionsbeiträge herrlich berlinerisch. "Wir wollen natürlich Wohnungsbau - aber hier natürlich nicht". Die Wiener, um eine Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum anzuführen, wo sowas besser läuft, lachen sich schlapp über Berlin.
 

Kaiserdammer

Aufsteiger
- gerade hier im innerstädtischen Gebiet müssen unversiegelte Flächen bestehen bleiben.
Die Anspielung auf ökologische Aspekte ist hier eher nicht von Vorteil für die Argumentation, schließlich sollen deiner Meinung nach Freiflächen bebaut werden. Das ist auch ohne Frage extrem nötig, gibt es aber weitaus besser geeignete Flächen an bestehenden Verkehrsachsen.

- Hier würde eine Abschottung des späteren Quartiers die Folge sein, da es sich nur nach Innen hin öffnen könnte. So wird eine Verbindung von angrenzenden Gebieten stark erschwert, welche hier durch öffentliche (Bebauung dringend benötigter Bib bspw.) Flächen bzw. Nutzungen gelingen könnte.

- Bis sich hier die Stadt oder wer auch immer aufrafft ein Gutachten anfertigen zu lassen, ist die Fläche unwiederbringlich versiegelt. Dann doch lieber einfach davon ausgehen DAS es eine wichtige Frischluftschneise darstellt, als dass sich dann erneut beschwert wird. (Stichwort ist Wohnungsbau in anderen Gebieten).

1 Dem Höhenwachstum stimme ich voll und ganz zu, hier werden potentielle Flächen besonders in der City West nicht oder falsch genutzt.
2 Diese „Reserveflächen“ sollten nicht mit diesem Begriff belastet werden, sind diese doch einmalig in der Form für Berlin und das erzeugte Mikro - und Binnenklima zwischen den Bezirken.
3,4,5 lass ich mal unkommentiert ;)
(Richtiges Wachstum entlang von Verkehrsachsen in eben Brandenburg, stellt sicher eine gut kontrollierbare Alternative zum Zubauen von Freiflächen in Berlin dar.)

Die dauernd bezeugten ökologischen Vorteile der von dir aufgeführten Punkte erschließen sich mir nicht und würden Berlin im Endeffekt dem bestehenden Binnenklima und ganz grob dem Austausch von Frischluft mit Brandenburg berauben.

Wohnungsbau ist wichtig und geschieht hier zugegebenermaßen viel zu langsam. Dennoch muss nun nicht im Eiltempo alles kreuz und quer zugebaut werden, wo städtebauliche und ökologische Aspekte dagegen sprechen (könnten;))


Berlin, wie gehabt, in aller Munde. So muss das! Eine einfach zu relevante aparte und extravagante Stadt.
 

BerlinerBauleiter

Platin Mitglied
Ich muss Oranien insofern Recht geben, dass wir in der Tat viel zu viel Fläche versiegeln. Wirklich umweltfreundlich wäre es, höher zu bauen und weniger Flächen zu versiegeln.
 

Xorcist

Bekanntes Mitglied
Ich halte keines dieser Argumente in der Gesamtbilanz auch nur für halbwegs stichhaltig:

- Das Baugebiet läge direkt neben einem Nachverkehrskreuz. Gerade diese Gebiete müssen bevorzugt verdichtet werden. Sowohl weil Berlin vollkommen unfähig ist, Nahverkehr voranzutreiben und deswegen vorhandene Strukturen besser genutzt werden müssen - sondern auch weil es sowohl finanziell auch als ökologisch (Zement -> CO2-Schweinerei) extrem belastend ist, neue Gebiete mit Nachverkehr zu erschliessen - statt vorhandene besser auszulasten.

- Es gibt viele Lösungen den Bahnlärm auf einem Level zu halten, das sich mit Wohnbebauung verträgt. Nicht umsonst führt der Bezirk dieses Argument auch nicht ins Feld. Zu behaupten, dass deswegen eine Bebauung nicht ginge, ist rundheraus falsch.

- Die Behauptung, dort sei eine "Frischluftschneise" zwingend, ist nicht erwiesen und meiner Einschätzung nach auch nicht nachweisbar. Der Gegend - und Berlin insgesamt - mangelt es nicht an Grünanteil - sondern im Gegenteil an urbaner Verdichtung. Wenn man sich die Mühe machen würde, Berliner Parameter mit vergleichbaren Großstädten in Europa ins Verhältnis zu setzen, würde das überdeutlich.

Dabei geht es nicht einmal primär um den Verlust an Urbanität, der meistens mit damit verbunden ist - sondern um ökologische Aspekte. Die Alternative zur Verdichtung (zB innerhalb des S-Bahnrings) ist
1) Höhenwachstum (wollen die Berliner nicht),
2) Auflösung von Reserveflächen wie Tempelhofer Feld oder Schrebergärten (wollen die Berliner nicht),
3) Erhöhung der Mieten (wollen die Berliner nicht),
4) Verbot der Baus von Einfamilienhäusern (wollen die Berliner nicht)
5) Verbot von Zuzug (würden viele Berliner gerne haben, kriegen sie aber nicht)
oder eben Flächenwachstum in Brandenburg. Letzteres ist ökologisch die mit grossem Abstand schlechteste Alternative - mit Sicherheit um vielfaches schlechter als das Nutzen von unbewiesenen Frischluftschneisen in der Nähe von bestehender Infrastruktur.

Meiner Erachtens ist sind einige der Diskussionsbeiträge herrlich berlinerisch. "Wir wollen natürlich Wohnungsbau - aber hier natürlich nicht". Die Wiener, um eine Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum anzuführen, wo sowas besser läuft, lachen sich schlapp über Berlin.
Verbot von Zuzug? Wie willst du das mit Artikel 11 GG, dem Grundrecht der Freizügigkeit vereinbaren? Die politischen Voraussetzungen, welche die Notwendigkeit des westberliner Zuzugsgesetzes damals begründeten, sind nicht mehr gegeben.
 

Lost

Silbernes Mitglied
In der Synopse der Bauordnung Berlin sind übrigens weitergehende Forderungen zur Begrünung etc. vorgesehen, siehe Seite 7 + 8:
- Anforderungen aus Biotopflächenfaktor-Landschaftsplänen haben Vorrang.
- Mindestens ein Fünftel der Grundstücksfläche ist zu begrünen oder zu bepflanzen (Begrünungsfläche).
- Bis zu 5 Grad geneigte Dächer müssen eine Intensivbegrünung haben. Steilere Dächer, die bis zu 10 Grad geneigt sind, müssen mindestens eine Extensivbegrünung haben. Die begrünten Dachflächen nach Satz 5 und 6 werden auf die Begrünungsfläche nach Satz 3 angerechnet.

Source: AK Berlin
 

Oranien

Aufsteiger
@Kaiserdammer Ökologische Aspekte zu berücksichtigen heisst meines Erachtens das genaue Gegenteil von dem, was ich aus Deinem Post lese. Es geht nicht um das mehr oder weniger isolierte Insistieren auf eine "Frischluftschneise", deren okölogische Notwendigkeit nicht einmal bewiesen ist. Es geht um das Betrachten von ökologischen Gesamtzusammenhängen.

Und da ist es nunmal eindeutig, dass es richtig ist, in der Nähe von vorhandenen Nahverkehrsknoten nachzuverdichten, statt Flächenfrass auf dem Land zu provozieren.

Jedes Einfamilienhaus ist nämlich im Verhältnis zu einem Apartment in einem hochverdichteten Gebiet eine ökologische Katastrophe. In hochverdichteten Gebieten können vorhandene Infrastrukturen stärker ausgelastet - oder günstiger ergänzt - werden. Das reicht von der Ladestation für das Elektroauto mit zum Abwasserkanal. Vom nahen Krankenhaus bis zum Arzt. Die Idee der "walkable City" oder der "15-Minuten-Stadt" (Paris) hat genau diesen Hintergrund. Leider ist in Berlin in hier der Stand der Diskussionen (wie so Vieles) in den 90igern hängen geblieben.

Ebenso fehlgeleitet ist meines Erachtens die Ansicht, dass Neubau gegen "Versiegelung-Verbote" auszuspielen. Berlin versiegelt enorme Flächen (an Plätzen, an Strassen) weil kein Geld da ist, Grünflächen zu pflegen. Also lieber Steinwüsten. Darüber hinaus ist nunmal ökologisch im Gegenteil sinnvoll, im Verhältnis kleine Flächen hochgradig zu verdichten und damit zu versiegeln - statt grössere Flächen dünner zu besiedeln. Das muss nicht zu Lasten der Lebensqualität gehen. Die hochverdichteten, hochversiegelten Flächen werden von Menschen extrem nachgefragt. Das reicht von Manhattan bis zu denn Kernstädten von Madrid oder Stockholm. Symbolisches Beispiel: Wenn nicht 20 Mio Menschen hochverdichtet in Sao Paulo leben würden, wäre der Amazonas längst komplett abgeholzt.

Das Besondere an Berlin ist die vielfache Realitätsverweigerung (und krasse Provinzialität). Das sollte die Auflistung zum Ausdruck bringen. Man will billige Mieten - behindert aber das günstige und zügige Bauen. Das fängt bei der Blockade von potenziellen Bauland an (was die Preise extrem treibt) - und endet bei unterbesetzten Genehmigungs-Behörden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Top