Molkenmarkt & Klosterviertel (Bebauungsplan 1-14)

Ein, man kann sagen Streitgespräch, zwischen Herrn Goebel und Frau Kahlfeldt gab es in der "Zeit". Sehr ernüchternd wie Frau Kahlfeldt jeglichen Ansatz von historischem Bezug ablehnt. Herr Goebel kämpft mit Argumenten, die leider bei Frau Kahlfeldt kein Gehör finden. Der Druck der Berliner Ideologieblase ist scheinbar viel zu groß für sie. Sie macht es sich leider, in meinen Augen, zu bequem - eine Frau die bei Rekonstruktionsprojekten mitgewirkt hat, argumentiert jetzt plötzlich, als wäre sie aus dem ganz linken Lager. Hier eine Aussage von Frau Kahlfeldt, die jegliche Hoffnungen auf architektonische Vielfalt mit Bezug auf den historischen Ort zerplatzen lässt:

Goebel: [...] "Und am Ende stehen siebenstöckige Häuserblöcke, bestenfalls mit einer gründerzeitlichen Anmutung."

Kahlfeldt: "Da muss ich Sie enttäuschen. Sie werden nicht einmal eine gründerzeitliche Anmutung haben. Es wird ein Quartier mit innerstädtischer Dichte, Höhe und Nutzungsvielfalt sein. Bei aller Faszination für die Baustile der Vergangenheit: Wir müssen nun einmal für hier und heute planen."

Quelle: Die Zeit "Braucht Berlin eine neue Altstadt?"
 
Wer die Hoffnung hatte wenigstens einen kleinen Teil unserer Altstadt zurückzuerhalten wird natürlich enttäuscht. Wie Göbel zurecht anmerkt wird der Molkenmarkt gar nicht zu erkennen sein. Stadtdessen haben wir in diesem Bereich immernoch eine sechsspurige Autostraße mit zusätzlich frei gehaltener Straßenbahntrasse in der Mitte. Auf der Fläche auf der nun die neu gebaute Straße existiert standen früher zum großen Teil Häuser, ohne trennende Verkehrsschneisen. Einen guten Vergleich zwischen dem geplanten und dem ursprünglichen Zustand bietet eine Karte aus dem APH - Forum.

Wir erhalten ein kleines Stück bebauter Innenstadt. Nicht mehr, nicht weniger.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin nun schon nicht mehr ganz so aufgeregt was das Thema angeht aber es ist einfach frustrierend, wenn der Wille zur Vernunft einfach nicht vorhanden ist. Was meine ich damit: An keinem Punkt der gesamten Planungsphasen, Workshops und Bürger-Beteiligungen seit 2015 wurde eine Bewertung aus der neutralen Mitte heraus vollzogen. Es gab nur in sehr abstrakter theoretischer Form ein "Ohr" für die Rekonstruktionsbefürworter aber kein ernsthafter Wille Kompromisse in der Richtung einzugehen. Ich werde nie das Bild bei dem Bürgerworkshop 2015 vergessen, als eine Dame an ihrem Flipchart das Thema "Rekonstruktion" auf einen kleinen PostIt-Zettel schrieb und irgendwo zwischen unzähligen, wesentlich unwichtigeren Themenpunkten, ans Board klatschte. Das Thema verfloss fast schneller als der Kleber von diesem Zettel. Das Ergebnis werden wir sehen und dann urteilen können - nur leider wird aller Voraussicht nach eines dem Ganzen immer nachhängen: Eine vertane Chance und der Wille von wenigen.
 
Kahlfeldt: "Da muss ich Sie enttäuschen. Sie werden nicht einmal eine gründerzeitliche Anmutung haben."
Wozu gab es denn jahrelang all die verschiedenen Phasen und Wettbewerbe, wo zwar offiziell nicht über die Gestaltung der einzelnen Gebäude entschieden wurde, aber ja doch praktisch jedes einzelne Mal auf den künstlerischen Abbildungen / Ideenskizzen / Grobplanungen etc. Gebäude "mit einer gründerzeitlichen Anmutung" oder so etwas in der Art zu sehen waren?! Das kam ja daher, dass nahezu alle Involvierten davon ausgegangen sind, dass genau dies hier der Plan ist. Dass hier eben nicht eine Sammlung seelenloser Klötze gebaut werden soll und auch nicht eine Sammlung neuester, postmoderner Architektur gefragt ist, sondern eben mindestens etwas, das in Stil und Anmutung entfernt an die Historie des Ortes erinnert. :-|
 
Also das was ich dort sehe beruhigt mich zu gewissen Teilen, bestätigt aber auch, was bereits bekannt war. Es wird keine Rekonstruktion, aber dennoch ganz anständig mit Erkern, Satteldächern, Kolonnaden und belebten Erdgeschosssituationen. Es wird eben eine etwas modernere Interpretation der historischen Baustile. Damit kann ich gut leben.

Mit allem was zuvor über die Planung hier bekannt wurde, war es im vorhinein bereits klar, dass man hier keine Europacity 2.0 fürchten musste. Es war zuletzt immer von Satteldach und kleinteiliger Bebauung die Rede.

Ich glaube es kann als lebendiges Innenstadt-Quartier funktionieren .. dafür braucht es aber natürlich auch Zeit.
 
Für mich wirkt es wie diese Plattenbauten im Nikolaiviertel. Gewollt und nicht gekonnt. Vor allem der Münchner Entwurf aus Los1 sieht wie ein 90iger Entwurf aus.
Wenn man davon ausgehen muss, dass die Entwürfe immer besser aussehen als die Realität und schon jetzt das Kostenthema auf dem Tisch ist, kann man sich eigentlich nur kopfschüttelnd abwenden. Am Ende wird es noch etwas billiger umgesetzt werden, und so wird es dann auch aussehen: wie gewollt und eben nicht gekonnt...Vertane Chance!
 
Weil das ganze hier eigentlich den Molkenmarkt herstellen sollte bzw viele haben genau das gehofft. Jetzt bekommen wir halbherzige neo klassische Interpretationen + einen misslungenen 90er Jahre Entwurf.
 
Ich sehe es auch so, dass hier eine Chance vertan wird. Ein positives Gegenbeispiel ist das wieder erstandene Viertel rund um den Landtag und die Nikolaikirche in Potsdam, wo Moderne und Klassik auf hervorragende Weise miteinander verbunden wurden.
 
Ich persönlich finde die Entwürfe eher ernüchternd. Ich denke: Am Ende haben viele etwas Historisierendes gefordert, um einem historischen Ort gerecht zu werden, nur um Ende so austauschbar, aber irgendwie historisierend, auszusehen, dass man jedes dieser Gebäude ebenso in jede deutsche Stadt oder Neubaugebiet stellen könnte. Nichts davon atmet eine Idee des Ortes beziehungsweise von Berlin.

Was ist nun falsch gelaufen? Ist der Ort am Ende vielleicht einfach doch total überbewertet? Vielleicht ist der frühe Geist des Ortes wirklich unwiederbringlich verloren gegangen und es wäre besser gewesen sich einzugestehen, dass man den Mythos, den die Altstadt in sich trägt nicht zurück bringen kann, in dem man die Gebäude und Höfe enger baut, und man hätte doch ganz und gar neu angefangen, zumindest mit einer wirklich großstädtischen Idee und nicht aus Prinzip jeden Dachgiebel mal einen Meter höher und mal niedriger bauen.

Manchmal frage ich mich auch wofür das ganze Drama überhaupt gut ist. Keiner dieser Entwürfe wird doch jetzt schon den 2030ern und 2040ern gerecht, in denen sie überhaupt fertig gestellt werden. Wenn ich mir die Architektur der 2030er vorstelle, sehe ich garantiert nicht das. Und das ganze Drama am Ende für ein paar historische Silhouetten, Souvenirshops und Billigläden sowie schlechte Touri-Restaurants (oder gibt es auch nur ein brauchbares Restaurant oder ernstgemeintes Geschäft im Nikolaiviertel, weswegen man dieses besuchen sollte?). Ich habe das Gefühl die Architektur ist auch wie die Mode und Musik in einer Feedback-Loop, Echochamber oder Zeitschleife gefangen, da alle nur noch referenzieren und keiner mehr mit einer Gewissheit in die Zukunft schaut, da keiner weiß ob er diese überhaupt noch gestalten kann. Alles hat seinen Esprit verloren und ist bieder geworden.

Ich weiß auch nicht ob ich verrückt werde und Parallelen sehe, wo keine existeren, aber ich habe das Gefühl, dass die Gebäude nicht nur etwas aus der Zeit gefallen, sondern irgendwie etwas stalinistisch wirken. Und das meine ich nicht in Bezug auf den Berliner Stalinallee-Zuckerbäckerstil (oder auf einen politischen Kontext), sondern eher als kunsthistorische Beschreibung und meine die frühe DDR-Moderne. Gerade bei Los 1 habe ich das Gefühl diese Gebäude könnte genauso aus den 1950/60ern sein und in Dresden oder Eisenhüttenstadt oder Schwedt stehen; genau in dieser Fassadengliederung, Dachneigung, Farbgebung, Pilastern und schmalen, säulenartigen Stützen, Laubengang. Das ist keine Abwertung oder Kritik an den ursprünglichen Gebäuden und einem architektonischen Kanon/Prinzipien, da sie ja viele Qualitäten bieten, nur weiss ich nicht, ob man diese Formsprache in diesem Ausmaß irgendwie wiederholen muss.

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( C ) Senatsentwicklung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen; Hild und K, München / Happel Cornelisse Verhoeven, Rotterdam / Modersohn & Freiesleben, Berlin

Vielleich weiß jemand ja was ich mit diesem Vergleich meine. Aktuell fallen mir nur die Gebäude in der Dresdner Innenstadt ein in der Wilsdrufferstraße.
 
Nein du wirst nicht verrückt. Wir leben in Zeiten von KI und leider agieren die Kreativen dieser Welt heute schon so, als würden sie letztlich nur mit KI auskotzen was es die Jahrzehnte davor schon gegeben hat. Das betrifft das Kino (Jurassic Park Teil 15) genauso wie die einfallslose Musikindustrie und natürlich und leider: Die Architektur
 
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