Ich persönlich finde die Entwürfe eher ernüchternd. Ich denke: Am Ende haben viele etwas Historisierendes gefordert, um einem historischen Ort gerecht zu werden, nur um Ende so austauschbar, aber irgendwie historisierend, auszusehen, dass man jedes dieser Gebäude ebenso in jede deutsche Stadt oder Neubaugebiet stellen könnte. Nichts davon atmet eine Idee des Ortes beziehungsweise von Berlin.
Was ist nun falsch gelaufen? Ist der Ort am Ende vielleicht einfach doch total überbewertet? Vielleicht ist der frühe Geist des Ortes wirklich unwiederbringlich verloren gegangen und es wäre besser gewesen sich einzugestehen, dass man den Mythos, den die Altstadt in sich trägt nicht zurück bringen kann, in dem man die Gebäude und Höfe enger baut, und man hätte doch ganz und gar neu angefangen, zumindest mit einer wirklich großstädtischen Idee und nicht aus Prinzip jeden Dachgiebel mal einen Meter höher und mal niedriger bauen.
Manchmal frage ich mich auch wofür das ganze Drama überhaupt gut ist. Keiner dieser Entwürfe wird doch jetzt schon den 2030ern und 2040ern gerecht, in denen sie überhaupt fertig gestellt werden. Wenn ich mir die Architektur der 2030er vorstelle, sehe ich garantiert nicht das. Und das ganze Drama am Ende für ein paar historische Silhouetten, Souvenirshops und Billigläden sowie schlechte Touri-Restaurants (oder gibt es auch nur ein brauchbares Restaurant oder ernstgemeintes Geschäft im Nikolaiviertel, weswegen man dieses besuchen sollte?). Ich habe das Gefühl die Architektur ist auch wie die Mode und Musik in einer Feedback-Loop, Echochamber oder Zeitschleife gefangen, da alle nur noch referenzieren und keiner mehr mit einer Gewissheit in die Zukunft schaut, da keiner weiß ob er diese überhaupt noch gestalten kann. Alles hat seinen Esprit verloren und ist bieder geworden.
Ich weiß auch nicht ob ich verrückt werde und Parallelen sehe, wo keine existeren, aber ich habe das Gefühl, dass die Gebäude nicht nur etwas aus der Zeit gefallen, sondern irgendwie etwas stalinistisch wirken. Und das meine ich nicht in Bezug auf den Berliner Stalinallee-Zuckerbäckerstil (oder auf einen politischen Kontext), sondern eher als kunsthistorische Beschreibung und meine die frühe DDR-Moderne. Gerade bei Los 1 habe ich das Gefühl diese Gebäude könnte genauso aus den 1950/60ern sein und in Dresden oder Eisenhüttenstadt oder Schwedt stehen; genau in dieser Fassadengliederung, Dachneigung, Farbgebung, Pilastern und schmalen, säulenartigen Stützen, Laubengang. Das ist keine Abwertung oder Kritik an den ursprünglichen Gebäuden und einem architektonischen Kanon/Prinzipien, da sie ja viele Qualitäten bieten, nur weiss ich nicht, ob man diese Formsprache in diesem Ausmaß irgendwie wiederholen muss.
( C ) Senatsentwicklung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen; Hild und K, München / Happel Cornelisse Verhoeven, Rotterdam / Modersohn & Freiesleben, Berlin
Vielleich weiß jemand ja was ich mit diesem Vergleich meine. Aktuell fallen mir nur die Gebäude in der Dresdner Innenstadt ein in der Wilsdrufferstraße.