Blankenburger Pflasterweg - Heinersdorfer Straße

Philipp85

Bekanntes Mitglied
Ja richtig, das Fahrrad. Eines der beliebtesten Fortbewegungsmittel, vor allem im Winter. Ganz zu schweigen von den unzähligen Fahrradparkplätzen am Bhf. Blankenburg :p

Mal ehrlich, die Verlängerung der S-Bahn von Wartenberg ans Karower Kreuz plant man seit den 1990er Jahren. Das Karower Kreuz ist frisch saniert, nun hat man festgestellt, das die S-Bahn gar nicht durch die neue Brücke passt :rolleyes:

Glaubst du wirklich, dass deine oben aufgeführten Verbindung noch vor Baubeginn im Blankenburger Pflasterweg realisiert werden? Träum weiter!
 

Jonas96

Bekanntes Mitglied
Auch die Fertigstellung der Wohnungen im Blankenburger Süden dauert ja MINDESTENS noch 10 Jahre (was ich ehrlich gesagt auch traurig finde). Ich will das jetzt nicht schön reden, aber das Märkische Viertel mit seiner mehr als 40.000 Einwohnern ist auch nicht sonderlich gut an den ÖPNV angeschlossen.
 

Jonas96

Bekanntes Mitglied
Die großen Plattenbausiedlungen sind im Grunde allesamt Bausünden. Aber was willst du machen, der Wohnraum wird ja gebraucht. Das schlimme ist eher, dass man nicht den Mut hat diese Plattenbausiedlungen mal mit ein paar innovativen Konzepten ein wenig attraktiver zu machen. Stattdessen baut man in die Lücken weitere Sozialwohnungen und macht alles eher noch schlimmer...
 

qin-root

Neuling
für die (meisten) Großwohnsiedlungen ist meines Erachtens ihr Ruf schlechter als sie tatsächlich sind. Da hier ja das MV angesprochen wird: Da wurde in den letzten Jahrzehnten durchaus sehr viel investiert und die Wohnungen sind dadurch auch bei den Bewohnern nicht unbeliebt (TSP). Problem bleibt halt die Stigmatisierung durch Stadtrandlage, die Historie und den verqueren Städtebau, aber das macht die Siedlung noch lange nicht "unlebenswert". Konkrete Maßnahmen zur Erhöhung der Wohn- und Freiraumqualitäten gibt es dort bspw.:
1) Von Land/Bund mit INSEK und einer doch sehr umfangreichen Zahl an Projekten https://www.stadtentwicklung.berlin...ge-erneuerung/Maerkisches-Viertel.4221.0.html
2) Von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Gesobau sind die Gebäude dort Modellprojekt für eine energetische Sanierung: https://www.gesobau.de/fileadmin/us...sierung_des_Maerkischen_Viertels_2009_web.pdf
3) ... und auch das private Einkaufszentrum wird gerade aufwendig saniert und um (wahrscheinlich nicht günstige) Wohnungen ergänzt: https://www.architektur-urbanistik.berlin/index.php?threads/märkisches-viertel-zentrum.740/
Das MV ist durchsetzt mit Einfamilienhäusern. Mehr soziale "Mischung" kann ich mir da nur schwer vorstellen. Auch da das Konzept der "Durchmischung" kritisch hinterfragt wird. Probleme im sozialen Miteinander sind ja meistens Ausdruck von tieferliegenden Problemen, wie einem Mangel an sozialen Einrichtungen, Pflege der Gebäude und Freiflächen etc.. Niemand würde im Grunewald/Halensee/Wannsee den Bau von Sozialwohnungen fordern, bloß weil sich die Leute da um die Tennisplätze und Seezugänge streiten.

Aus mancher Perspektive ist die Anbindung des MV an den Nahverkehr nicht perfekt. Aber auch hier gab es ja die Machbarkeitsstudie für die U-Bahn, mit dem Ergebnis das eine U-Bahn-Verlängerung vor allem teuer und aufgrund der städtebaulichen Struktur wenig effektiv ist. Im MV gibt es zur Zeit ein im Berliner Vergleich sehr dichtes Busnetz mit Direktverbindungen zu vielen anderen Stadtteilen. Und gerade das müsste zur U-Bahn-Finanzierung/Auslastung massiv eingeschränkt werden. Und wird dadurch der Nahverkehr dort dann attraktiver?

Edit: Für einen Einblick, wie das MV zur Entstehungszeit schon kritisch hinterfragt wurde, empfehle ich mal bei der Aktion 507 (Wikipedia) reinzuschauen. Dort ist auch das von der Studierendengruppe 1968 erarbeitete Manuskript zur Kritik an der Berliner Bauwirtschaft verlinkt.

Back to topic zum Blankenburger Süden:
Sofern der kritische Fehler der damaligen Zeit - der autogerechte Städtebau - nicht wiederholt wird sowie ausreichend Raum und Finanzierung für sozio-kulturelle Einrichtungen da ist, kann ich bei den vorgestellten Konzepten erstmal keine groben "Probleme" erkennen.
Natürlich ist die Planung neuer Stadtteile auf der grünen Wiese aus Perspektive der Flächensparsamkeit nicht schön, aber auch die Innenentwicklung und Nachverdichtung im übrigen Berlin sorgt für anhaltende Proteste.
Da wir das Bauen generell nicht verbieten wollen (was ein Teil der Fachwelt übrigens fordert), ist ja eigentlich immer noch der gesellschaftliche Konsens, dass beliebte Städte halt wachsen 'müssen'. Hier im Blankenburger Süden wird von den Anwohner*innen aber eben genau die Nichtrealisierung (hier wortwörtlich not-in-my-backyard) gefordert, ohne auf die doch inzwischen umfangreichen Ideen zur sozialen/kulturellen/verkehrstechnischen Aufwertung der umliegenden Stadtteile konstruktiv einzugehen.

Hauptproblem beim MV war ja gerade eben das überstürzte Losbauen, die Verquickung der Westberliner Parteien mit der Bau- und Wohnungswirtschaft (der berühmte Filz) und der fehlende 'human scale' der Gebäude. Die Architektur wurde ja damals schon kritisiert, aber den Komplettabriss bloß aufgrund des (immer noch subjektiven) Missfallens des Städtebaus zu fordern ist meiner Meinung nach schon etwas polemisch. Aber vielleicht brauch es ja gerade diese Polemik damit wir in Zukunft nicht die selben Fehler wieder machen :)

Und eben das wird allen Anschein nach aber alles beim Blankenburger Süden nicht zutreffen. Gerade die lange Planungszeit und ausgiebige Beteiligung (der sehr kritischen Bürger*innen) und die damit verbundene hohe Qualität der Pläne lässt mich doch verhalten positiv auf das Projekt schauen. Die städtebaulichen Konzepte sind durchaus stimmig und setzten hier wirklich mal verschiedene Schwerpunkte. Hoffentlich wird das viele Gute in den Konzepten aufgegriffen, die Architektur ähnlich vielfältig wie die Konzepte für den Städtebau und die öffentlichen Räume/Erdgeschosszonen weiter so detailliert geplant, wie es gerade für Städtebau und Verkehr gemacht wurde. Und was sich bspw. in der Hamburger HafenCity zu bewähren scheint, ist es zentrale Baufelder erstmal freizuhalten um später nachjustieren zu können, wenn dann unvorhergesehene Probleme auftauchen sollten. Mein persönlicher Wunsch wäre damit auch beim Blankenburger Süden Platz für Unwägbarkeiten zu lassen.
 
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SchauBau

Silbernes Mitglied
Danke für die sehr ausführliche, differenzierte und angenehme Wortwahl bei der Meinungsäußerung!

P.S.: Und wer kennt nicht FIL, einen der herausragenden MVler...
 
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Jonas96

Bekanntes Mitglied
Natürlich sind nicht alle Plattenbausiedlungen Ghettos in denen es sich nicht aushalten lässt. Ich würde unter Umständen auch in eine Platte ziehen, gar keine Frage.
Die Maßnahmen die in manchen Großsiedlungen unternommen wurden sind ja auch der richtige Weg. Dass das MV attraktiver geworden ist und auch Menschen dort gerne leben will ich nicht leugnen.

Es ist aber meiner Meinung nach offensichtlich, dass die bauliche Struktur eines Stadtviertels einen erheblichen Unterschied macht. Wenn man sich mal anschaut welche Gegenden Berlins beliebt sind, dann fällt ins Auge das diese bestimmte städtebauliche Eigenschaften aufweisen: typische Blockrandbebauung mit Hinterhöfen und belebte Straßenzüge durch dezentrale, kleinteilige Gastronomie, Einzelhandel etc. in den Erdgeschosszonen. So entsteht die beliebte Kiezstruktur von Prenzlauer Berg, Fhain, Kreuzberg, Schöneberg usw.
Die großen Plattenbausiedlungen fördern hingegen durch ihre lockere, von riesigen Parkplätzen umgebene Bauweise die Trostlosigkeit von ganzen Straßenzügen. Der zumeist zentral angeordnete Bereich für Einzelhandel und Gastronomie hat zwar seine Vorteile, es lässt aber ein Kiezgefühl im restlichen Bereich des Viertels vermissen.

Nur so als Idee: man hätte mal ein paar Platten abreißen können und stattdessen ein wenig Blockrandbebauung integrieren können. Das würde die Plattenbausiedlungen ein wenig auflockern.

Und zum Thema soziale Mischung: Der Artikel von Herr Andrej Holm redet viel um den heißen Brei herum. Zudem ist er als wohnungspolitischer Linksaußen nicht sehr objektiv meiner Meinung nach. Wenn es nach ihm ginge wären ja auch alle so arm, dass sie sich nur landeseigene Wohnungen leisten können.
Es soll ja auch nicht darum gehen ärmere Schichten zu verdrängen, sondern in jedem Stadtteil sowohl für die Oberschicht, die Unterschicht als auch alle Schichten dazwischen Wohnungen bereitzustellen. Eine perfekte soziale Mischung in allen Vierteln ist zwar eine Utopie, aber wenn neue Viertel (wie der Blankenburger Süden) aus dem Boden gestampft werden wäre es doch eine Leichtes, die bestehenden Erkenntnisse zu nutzen und eine ausführliche Mischung zu planerisch anzustreben.
Entgegen dem was Herr Holm sagt gibt es doch schon Beispiele die zeigen, dass Stadtviertel mit fast ausschließlich sozial benachteiligten eine gewisse Perspektivlosigkeit fördern. Soziale Mischung allein wird nicht alle Probleme von selbst lösen, sie sollte aber Teil der Lösung sein!
 

qin-root

Neuling
Ich stimme dir zu, dass bei den Entwürfen der Fokus auf belebte und augenfällige Straßen liegen sollte. Das aber nun gerade Blockrandbebauung bei den Anwohner*innen in Blankenburg gut ankommen, bezweifle ich aber. Die wollen ja, dass sich die Bebauung gut in die bisher bestehende Einzelhaushausbebauung und alten Dorfkernen einfügt. Außerdem werden ja die meisten Gebiete heutzutage mit offenen Blöcken geplant, die versuchen das beste beider Welten zu verknüpfen. (Belichtung, Luft, urbane Dichte, gefasste Räume)
Da gehen die Konzepte IMHO schon einen guten Mittelweg mit der verschiedenen Gewichtung von Straßenräumen, Plätzen und der Anordnung von (offenen) Blockinnenbereichen mit Grünflächen und Spielplätzen. Interessant fände ich dann noch Pläne, wo deutlich wird, welche Räume öffentlich, halb-öffentlich und privat werden sollen und was davon wie belebt sein soll.

Persönlich bin ich eher der Meinung, dass sich neue Gebäude vor allem gut in die bestehende Bebauung einfügen sollten. Ein Negativbeispiel dafür, dass nur die reine Ergänzung von Blöcken allein ein Viertel nicht schöner und belebter macht, wäre der Novotel-Block auf der Fischerinsel. Hierfür wurde leider das prägende öffentliche Ahornblatt abgerissen und damit ein Teil der 'Kiezidentität' zerstört. Blockränder als Selbstzweck sind auch nicht unbedingt zielführend. Der Fokus sollte eher darauf liegen, die Erdgeschosse zu beleben und die öffentlichen Räume zu gestalten und zu pflegen.

Für die soziale Mischung sehe ich in der bisherigen Planung kein Problem. Auch die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften planen mit 50% frei-finanzierten Wohnungen mit Grundrissen für die 'breite' Bevölkerung. Zudem gibt es ja die Einfamilienhäuser in der Umgebung und auch einige Entwürfe schlagen ja einen relativ fließenden Übergang zu diesen vor. Die von dir angesprochene Mischung wird hier also entstehen. Und gerade weil die Flächen öffentlich und damit quasi kostenlos sind, kann eben noch viel Geld in Architektur und Gestaltung fließen. Dazu werden die Wohnungsbaugesellschaften hoffentlich mit der Pflicht zu Wettbewerben auch gezwungen. Dass dabei gutes rauskommen kann, hat man ja bei Urban Living gesehen.

Was ich bei dem Projekt aber durchaus streitbar fände, wäre gerade eben die Qualität der vorgeschlagenen Entwürfen und ob deren inhaltliche Schwerpunkte gut zu Blankenburg passen. Auch die Frage der Nutzungsvielfalt und ob es eine hohe Zahl an 'individuellen' Projekten geben wird, ist ja nicht besonders detailliert bis jetzt...
 
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Philipp85

Bekanntes Mitglied
Deinem Kommentar entnehme ich, dass du die komplette Ecke überhaupt nicht kennst.
Eigentumswohnungen wäre noch das beste Übel, besser wäre gar nichts bauen!
 

BerlinerBauleiter

Platin Mitglied
Eine Durchmischung in neu geplanten Stadtquartieren ist keine schlechte Forderungen. Quartiere nur für Sozialhilfeempfänge und geförderte Mietwohnungen haben eben die Tendenz zu einem sozialen Brennpunkt zu werden. "Besser wäre gar nichts bauen!" hört man auch fast überall, wo gebaut werden soll. :rolleyes: Zu hoch soll es auch nicht sein, obwohl man höheren Bauwerken mehr Fläche sparen könnte, etc.
 
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